Personenlexikon

 

 

Alek Wek (1977 -)

Supermodel mit Anspruch

Die am 16. April 1977 in Wau, Western Bahr-al-Ghazal, geborene Dinka-Frau Alek („Schwarzgesprenkelte Kuh“) Wek floh 1983 bei Beginn des Zweiten Bürgerkriegs mit ihrer Familie aus ihrer Heimat. Ab 1991 lebte Alek Wek in Großbritannien. Mitte der 1990er Jahre begann die Model-Karriere der damaligen Mode-Studentin. Die 1,80 m große Alek Wek wurde 1997 „Model Of The Year“ und war im selben Jahr die erste Afrikanerin, deren Abbild das Titelblatt der berühmten Frauenzeitschrift “Elle” schmückte.

Die mittlerweile in den USA lebende Alek Wek, die seit 2002 vor allem als Designerin arbeitet, engagiert sich in zahlreichen karitativen Organisationen für ihre Heimat.

Atong, Daniel Deng s. Daniel Deng Atong

Amum, Pagan s. Pagan Amum Okech

Bok, Francis s. Francis Bok

Bol, Manute s. Manute Bol

 

Comboni, Daniele (1831-1881)

Bedeutender römisch-katholischer Missionar im 19. Jahrhundert

Zahlreiche prominente Südsudanesen haben italienische Vornamen wie Salva, Kerubino, Paulino, Erkolano oder Costello. Diese auf den ersten Blick verwunderliche Häufung hat ihren Ursprung vor allem in dem Wirken der Missionare der in Verona 1867 gegründeten Gemeinschaft der Comboni-Missionare, deren vornehmlich aus Italien und dem deutschen Sprachraum stammenden Missionare sich in beiden Teilen des anglo-ägyptischen Kondomiums gegen Sklaverei und für christliche Bekehrung einsetzten. Die als „Verona Fathers“ bekannten Mitglieder der 1895 zur Kongregation der Comboni-Missionare vom Herzen Jesu (MCCJ) umgewandelten Ordens-Gemeinschaft waren insbesondere bei den Völkern des Südens überaus erfolgreich.

Die Ordensgründung geht auf eine Initiative des 1831 in Limone sul Garda (Lombardei) geborenen Kleinbauernsohns und Priesters Daniele Comboni zurück. Comboni hatte sich vor allem der darniederliegenden Missionierung im zentralen Afrika verschrieben. Ihm gelang es, Papst Pius IX. für sein Projekt zu begeistern. Ab 1857 insgesamt acht Mal reiste Comboni in das Sudan-Gebiet und versuchte unter großen Schwierigkeiten seine Aufgabe zu erfüllen. 1877 ernannte ihn Papst Pius IX. zum Bischof von Zentralafrika. Als er 1881 erst 50-jährig an den Folgen einer Tropenkrankheit in Khartum starb, hatte er die Grundlagen einer insbesondere unter den Völkern Südsudans nach dem Schrecken des sich islamisch-fundamentalistisch gebenden Mahdi-Regimes 1881-1898 auf fruchtbaren Boden fallenden Christianisierung gelegt.

Papst Johannes Paul II. hat Comboni 1996 seliggesprochen. 2003 wurde Comboni  in den Kreis der Heiligen aufgenommen.

 

Daniel Deng Atong (1912-1976)

Erster südsudanesischer Bischof

Daniel Deng Atong wurde 1912 im etwa 80 km nördlich von Juba liegenden Gebiets des nilotischen Volkes der Mundari geboren. Weil er einen im Mundari-Glauben als Zeichen für das Böse geltenden Geburtsfehler hatte (er war mit nur einem Hoden geboren worden) wurde das Neugeborene von der Gemeinschaft verstoßen und im Wald ausgesetzt. Eine Außenseiterin im Dorf nahm sich aber seiner an und rettete ihm so das Leben. 1918 brachte sie den kleinen Jungen zu britischen Missionaren der der Anglikanischen Kirchengemeinschaft (Episkopal-Kirche) angeschlossenen CMS (Church Missionary Society) in Malek. Der Ort Malek gehört zum dem Mundari-Land benachbarten Stammesgebiet der südlichen Bor-Dinka. Hier erhielt der Junge den Dinka-Namen „Deng Machuor“ (Machuor = Bezeichnung für die eine grau-weiß-lohfarben-schwarze Mischfarbe eines Bullen), später nannte er sich nach seinem leiblichen Vater „Deng Atong”.

1921 wurde der in der Missionsstation aufwachsende Deng Atong auf den Namen „Daniel“ getauft. Er studierte in Juba und wurde Lehrer. Deng Atong wurde ein begeisterter Anhänger der Wiedererweckungsbewegung und missionierte in diesem Sinn so erfolgreich im Bor-Dinka-Land, dass er 1943 als einer der ersten Einheimischen im Kondominium Sudan zum Priester geweiht wurde.Im Zuge der als Vorbereitung auf das Ende der Kolonialzeit forcierte „Sudanesierung“ der Personal-Strukturen im öffentlichen und kirchlichen Bereich folgte 1955 die Ernennung zum Assistenz-Bischof der Diözese Sudan.

Die Erwartungen an den ersten einheimischen Bischof waren vor dem Hintergrund des wenige Monate nach seiner Amtseinsetzung ausbrechenden Ersten Bürgerkriegs enorm. Der sensible Deng Atong, der zudem zunehmend mit privaten Problemen zu kämpfen hatte, brach schließlich psychisch zusammen und musste 1958 sein Amt abgeben. Er lebte danach zurückgezogen in Bor und starb 1976.

 

Deng, Francis Mading s. Francis Mading Deng

 

Francis Bok (1979 – )

Ehemaliger Dinka-Sklave, jetzt in USA lebender Autor und Abolitionist

Bauernsohn Francis Bok (ursprünglich: Francis Piol Bol Buk) wurde 1986 als Siebenjähriger in der Nähe seines Heimatdorfes Gurion in Northern Bahr al Ghazal von islamischen Plünderern entführt. Einer der Plünderer verschleppte den Dinka-Jungen zu sich nach Hause in das nordsudanesische Kordufan. Hier erlitt Francis zehn Jahre lang als Sklave Gewalt und Ausbeutung. Mit 17 Jahren glückte ihm die Flucht. Über Umwege gelangte Francis Bok 1999 in die USA. Hier sorgte Bok im Jahr 2000 durch die Aussage über sein Schicksal vor dem US-Senat für Aufsehen und lenkte die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit auf die von der Regierung in Khartum stets abgestrittene Praxis der Sklaverei im Sudan. Bok, der 2002 von Präsident George W. Bush im Weißen Haus empfangen wurde, arbeitet seit 2000 bei der American Anti-Slavery Group (AASG).

 

Francis Mading Deng (1938 – )

Professor, Politiker, Diplomat und Schriftsteller

Der 1938 in der zwischen Sudan und Südsudan heute umstrittenen Krisenregion Abyei geborene Ngok Dinka Francis Mading Deng, Enkel des 1969 verstorbenen bedeutenden Paramount Chief Deng Majok, ist als der erste Südsudanese in die Geschichte eingegangen, der einen Doktor-Grad erlangte. Nach seiner Schulzeit an Bildungseinrichtungen im Süden und Norden des Sudan, studierte Mading Deng Jura in Khartum, in Großbritannien und in den USA. 1968 wurde ihm von der US-Elite-Fakultät Yale Law School der akademische Grad „Doctor of Juridical Science“ verliehen.

Deng, der zahlreiche Bücher zum Thema „Südsudan“ verfasst hat, darunter zwei Romane, war von 1967 bis 1972 als Human Rights Officer UN-Beamter in New York. Nach dem Ende des ersten Bürgerkriegs (17 Years War) und der Errichtung einer Autonomen Region Südsudan diente er als sudanesischer Botschafter und Außenminister. Bei Ausbruch des zweiten Bürgerkriegs 1983 kehrte er in die USA zurück. Hier lehrte er als Universitäts-Professor unter anderem an der Washingtoner Johns Hopkins University School of Advanced International Studies Recht, Politik und Gesellschaftswissenschaft. 1992 wurde Francis Mading Deng zum Special Representative of the United Nations Secretary-General on Internally Displaced Persons ernannt. Von 2007 bis 2012 bekleidete Deng die in der UN-Rangordnung unmittelbar unter der des Generalsekretärs stehende Position eines Special Adviser for the Prevention of Genocide, bis er im September 2012 die Aufgabe, sein Land als Botschafter bei der UN zu vertreten, übernahm.

 

Igga, James Wani s. James Wani Igga

 

James Wani Igga (1949- )

Vize-Präsident der Republik seit 2013

Der 1949 im nahe Juba gelegenen Dorf Krillo geborene, zum in Equatoria heimischen Bari-Volk gezählte SPLM-Politiker James Wani Igga ist am 20. August 2013 von Präsident Salva Kiir Mayardit zum Vize-Präsidenten ernannt worden. Damit übernahm James Wani Igga nach seiner Amtseinführung am 25. August 2013 Verantwortung für das im Monat vorher nach einer umfassenden Regierungsumbildung vakant gewordene Amt. Vorgänger von James Wani Igga war Riek Machar (SPLM), der von 2005 bis 2011 als Vize-Präsident der Autonomen Region Southern Sudan und vom 9. Juli 2011 bis zum 23. Juli 2013 in gleicher Position in der Republik Südsudan amtiert hatte.

James Wani Igga gehörte zu den ersten Südsudanesen, die nach dem Ersten Bürgerkrieg die Möglichkeit hatten, zu studieren. Er besuchte die Cairo University of Economics. In seiner Studentenzeit war er Vorsitzender der Juwama Africa Patriotic Organization (JAPO), die als Reaktion auf die Aushöhlung des Addis Abeba Agreement von 1972 durch die sudanesische Regierung gegründet worden war. Nach seinem Studienabschluss trat Igga 1985 der SPLM bei. Während des Zweiten Bürgerkriegs befehligte er das Shakus-Bataillon. 1987 wurde er Zonal Commander in Central Equatoria und rückte als Mitglied des High Command in die militärisch-politische Führungsspitze der SPLA auf. Nach der Spaltung der SPLA in die Torit- und die Nasir-Fraktion bemühte er sich unter anderem bei den Nairobi Peace Talks 1991 als Delegierter der Torit-Fraktion um eine Beilegung des inner-südsudanesischen Konflikts. Ab 2000 wirkte Igga in entsprechenden SPLM-Gremien federführend bei dem Bemühen mit, Konzepte für Verwaltungsstrukturen in den befreiten Gebieten zu entwickeln.

Nach Inkrafttreten des Comprehensive Peace Agreement (CPA) 2005 übernahm er interimistisch die Aufgaben des Gouverneurs von Upper Nile und wechselte im selben Jahr in die Position des südsudanesischen Regionalparlaments-Sprechers („Speaker of the Southern Sudan Legislative Assembly“). Igga, der auch als Buchautor in Erscheinung getreten ist, wurde nach Beginn der südsudanesischen Unabhängigkeit 2011 Sprecher der „National Legislative Assembly“ der Republik Südsudan. Dieses Amt gab er mit der Übernahme der Vize-Präsidentschaft automatisch ab.

Der verheiratete James Wani Igga ist Mitglied der römisch-katholischen Kirche und Vater zweier Kinder.

 

Knoblecher, Ignaz (1822 – 1858)

Katholischer Missionar in Equatoria

Der als „Ignacij Knoblehar“ in dem zum Kaisertum Österreich gehörenden Herzogtum Unterkrain (heute Slowenien) geborene Sohn slowenischer Bauern wurde 1845 zum katholischen Priester geweiht. Von 1848 bis zu seinem Tod wirkte Monsignore Ignaz Knoblecher von Khartum aus als Missionar. Er unternahm als einer der ersten Europäer mehrere Reisen in den Süden, erreichte das Land der Bari und gründete dort am Weißen Nil die Missionsstation Gondokoro (im heutigen Central Equatoria).

 

Lukudu Loro, Paulino s. Paulino Lukudu Loro

 

Manute Bol (1962 – 2010)

Basketball-Star

Der zum Volk der Dinka gehörende Manute („Besonderer Segen“) Bol wurde am 16. Oktober 1962 in Gogrial oder Turalei, Warrap, geboren. Der mit einer Körpergröße von 2,31 m selbst für einen Dinka außergewöhnlich große Manute Bol wurde als Basketball-Spieler (Position: Center) in der US-amerikanischen NBA-Profiliga (1985-1995) berühmt. 1998 zog er sich aus dem Profisport zurück.

Manute Bol hat einen großen Teil seiner Spieler-Einnahmen für karitative Zwecke in seiner Heimat eingesetzt. U. a. war er 2001 Gründer der Ring True Foundation, einer Organisation zur Unterstützung von Flüchtlingen. 2006 nahm am Bol am Sudan Freedom Walk teil, bei dem auf einem einwöchigen Marsch von New York nach Washington, D.C., vor allem gegen Völkermord und Sklaverei in Darfur protestiert wurde. Auch engagierte sich Bol intensiv im Rahmen der Organisation Sudan Sunrise für Aussöhnungs-Bestrebungen und den Aufbau von Bildungseinrichtungen in seinem Heimatland.

2001 wurde Bol von der Regierung in Khartum der Posten des Sportministers angeboten. Da für die Ernennung die Konvertierung des Christen Bol zum Islam Bedingung war, lehnte der Mann aus Warrap ab. Daraufhin verweigerten ihm die sudanesischen Behörden die Ausreise in die USA. Erst nach langen Verhandlungen gelang ihm und seiner Familie schließlich die Ausreise über Ägypten.

Manute Bol, der 2002 als politischer Flüchtling in den USA anerkannt worden war, wurde 2004 Opfer eines schweren Verkehrsunfall, dessen Folgen ihn finanziell ruinierten. Am 19. Juni 2010 starb Bol in Charlottesville, Virginia, an einem durch die Hauterkrankung Stevens-Johnson-Syndrom ausgelösten Nierenversagen.

 

Pagan Amum Okiech (1959 – )

SPLM-Politiker

Pagan Amum hatte lange Schlüsselpositonen in der SPLM/A sowie an sudanesischen und südsudanesischen Regierungsspitze inne.

Pagan Amum entstammt dem Volk der Schilluk-Volk in Malakal County, Upper Nile. Als Student ging er 1982 in den Busch, um gegen das Numeiri-Regime zu kämpfen. 1983 stieß er zur SPLA und stieg gefördert von seinem Mentor John Garang rasch in der SPLM/A-Hierarchie auf. Er wurde  Kommandeur einer als “Rote Armee” bezeichneten Einheit, die sich zum Teil aus minderjährigen SPLA-Soldaten zusammensetzte. Amums „Rote Armee“ sollte zur Elite des „New Sudan“ herangebildet werden. Amum wurde nach Kuba, das damals von Fidel Castro regiert wurde, geschickt. In Havanna unterzog er sich eiern jahrelangen Schulung im Marxismus-Leninismus kubanischer Prägung.

Nach seiner Rückkehr profilierte sich Pagan Amum als einer er führenden Köpfe der SPLM/A. In der Übergangszeit (2005 – 2011) wirkte er u. a. als der in der südsudanesischen Regionalregierung für die Umsetzung des zwischen SPLM/A und sudanesischer Regierung geschlossenen Friedensabkommen (Comprehensive Peace Agreement, CPA) zuständige Minister. Er amtierte auch als Bundesminister für Kabinettsfragen in Khartum.

Mit Beginn der Unabhängigkeit gehörte er als  Minister for Peace weiter zum von Präsident Salva Kiir geführten Kabinett Südsudans an und war als Generalsekretär der SPLM einer der wichtigsten Funktionsträger der politischen Szene in Südsudan.

Am 23. Juli 2013 wurde Pagan Amum vom Präsidenten und SPLM-Vorsitzenden Salva Kiir von seinen Ämtern suspendiert und unter Hausarrest gestellt. Die Suspendierung wurde mit dem Vorwurf begründet, Amum habe sich u. a. möglicherweise bei seiner Amtsführung  finanzielle Unregelmäßigkeiten zuschulde kommen lassen. Außerdem wurde er der Insubordination gegenüber Kiir, insbesondere bei dessen Entscheidung, zwei frühere Minister wegen Korruptionsverdacht abzusetzen, beschuldigt. Im Dezember 2013, nach Ausbruch der seitdem die politische Situation in Südsudan bestimmenden bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen vom Präsidenten und von dessen ehemaligen Stellvertreter Riek Machar angeführten Parteiungen, kam Amun mit zehn weiteren SPLM-Spitzenpolitikern (“SPLM-G11″) in Haft. Ihnen wurde Putschversuch sowie die Unterstützung von Machar vorgeworfen. Anfang März 2014 wurde in Juba ein Strafprozess gegen Amum und drei weitere Angeklagte eröffnet.  Ende April 2014 wurde die Anklage gegen Amum fallengelassen.

Am 21. Januar 2015 unterzeichneten die sich seit Dezember 2013 als Anführer von Bürgerkriegsparteien gegenüberstehenden Salva Kiir (Präsident, Regierungs-SPLM) und Riek Machar (Ex-Vize-Präsident, SPLM-in-Opposition) sowie die von Pagan Amum angeführte Gruppe SPLM-G11  im tansanischen Arusha eine für eine angestrebte Friedenordnung entscheidende Übereinkunft. In Folge dieser Übereinkunft („Arusha Agreement on the Reunification of the SPLM“) wurde Pagan Amun am 23. Juni 2015 wieder in sein Amt als SPLM-Generalsekretär eingesetzt.

 

Paulino Lukudu Loro (1940 -)

Römisch-katholischer Erzbischof

Der 1970 zum Priester ordinierte Paulino Lukudu Loro MCCJ steht seit 1983 als Erzbischof an der Spitze des Erzbistums Juba und der ganz Südsudan umfasenden Kirchenprovinz Juba. Das Lukudus Namen nachgestellte Kürzel MCCJ weist auf die Zugehörigkeit des Erzbischofs zur Ordensgemeinschaft Congregatio Filiorum Sacratissimi Cordis Jesu („Comboni-Missionare“) hin.

 

Wek, Alek s. Alek Wek