Seit Jahren haben Nichtregierungsorganisationen eine wichtige Rolle für das Gemeinwohl der südsudanesischen Bevölkerung gespielt. Allerdings blieben die Effekte häufig begrenzt.
Positive Aspekte:
- Aufbau von Kapazitäten bei den personellen Ressourcen, insbesondere durch die Ausbildung von Fachkräften in den Bereichen Gesundheitswesen und Landwirtschaft;
- Unterstützung der Entwicklungspolitik auf Ministerial-Ebene ;
- Unterstützung bei der Bewältigung medizinischer Notlagen, insbesondere beim Auftreten von Seuchen und anderen Ansteckungskrankheiten;
- Unterstützung bei der Durchführung von Basisdaten erhebenden Umfragen, wiei z.B. bei der Southern Sudan Household Health Survey von 2010
Negative Aspekte:
Beim Vergleich der Entwicklungsindikatoren von 2005 mit denen des Jahres 2012 muss allerdings festgestellt werden, dass die Ergebnisse des internationalen Engagements hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Diese Defizite haben mehrere Ursachen:
- Die meisten NGOs sind auf Krisenbewältigung ausgerichtet und nicht, wie einige der UN-Organisationen, auf Entwicklungsförderung;
- die Mehrheit der NGOs arbeitet geber- und nicht ergebnisorientiert;
- der Großteil der zur Verfügung stehenden Gelder wird für Kapazitätsaufbau und Ausbildungsmaßnahmen ohne Berücksichtigung möglicher Folgekosten für Wartung und Unterhalt verwendet;
- die Hilfsmaßnahmen führen zu wachsenden Abhängigkeiten der Bevölkerung und der Regierung von den NGOs;
- die meisten von den NGOs durchgeführten Maßnahmen zum Aufbau personeller Ressourcen kommen im Ergebnis anderen Hilfsorganisationen zugute, die für öffentliche Aufgaben ausgebildete Fachkräfte anstellen und damit der staatlchen Verwaltung entziehen. Dadurch bleibt die Position der öffentlichen Verwaltung nachhaltend geschwächt;
- die Mängel in der Verwaltung führen wiederum zu verstärkter Förderung der NGOs und zu einer weiteren Schwächung des öffentlich-rechtlichen Sektors;
- die meisten Projekte der NGOs werden ohne Einbeziehung der betroffenen Gemeinschaft in die Planung umgesetzt
Südsudan steht aktuell vor vielen Herausforderungen:
Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist prekärer geworden. Missernten, steigende Preise und Energiekosten, Konflikte und Vertreibungen haben zur Verschärfung der Versorgungssituation beigetragen. Nach Untersuchungen von Ernährungsfachleuten ist etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung Südsudans in diesem Jahr bereits von Hunger und Unternährung betroffen gewesen, davon ungefähr eine Million Menschen besonders gravierend.
Die nach der Ernte 2013 durchgeführten Erhebungen zur aktuellen Ernährungslage ergaben das Bild einer in fast allen Bundesstaaten festzustellenden deutlichen Verschlechterung der Versorgungssituation im Vergleich zum Vorjahr.
Die negative Sicherheitslage bleibt der Hauptgrund für Flucht und Vertreibung. Für 2013 wird mit 300.000 Binnenflüchtlingen gerechnet, die wegen intertribaler Kämpfe und anderer Konflikte ihre Heimat verlassen müssen. Die meisten Binnenflüchtlinge stammen aus Jonglei State. Dazu kommen Flüchtlinge aus den krisengeschüttelten sudanesischen Regionen Südkordofan und Blue Nile. Der anhaltende Zustrom dieser Flüchtlinge aus dem Norden hat 2013 die Zahl von 100.000 bereits im Herbst erreicht.
Ein weiteres Problem für die Versorgungslage des Landes stellen die rund 250.000 Südsudanesen dar, die noch in der Republik Sudan leben, aber so bald wie möglich in den Süden heimkehren wollen oder wegen des Ablaufs ihre Aufenthaltsberechtigungen ausreisen müssen.
In Bezug auf die mögliche Rückkehr der 110.000 aus der umkämpften Region Abyei geflohenen Menschen werden zwar Gespräche auf verschiedenen Ebenen geführt, eine Lösung ist aber noch nicht in Sicht.
Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem vom Januar bis August 2013 ivon der südsudanesischen Regierung verhängten Ölförderstopp und die sich daraus ergebenden Einschränkungen dürften den sozio-ökonomischen Druck auf die bereits jetzt enormen Belastungen ausgesetzte Bevölkerung weiter erhöht haben. Experten befürchten weitere Verschlechterungen der Ernährungssituation, wachsende Armut und Anstieg der Kindersterblichkeit. Außerdem gehen sie davon aus, dass weniger Kinder und Jugendliche die Schule besuchen werden.