Sachlexikon

Addis-Abeba-Abkommen von 1972 

Autonomieabkommen

Das unter Vermittlung von Haile Selassie, dem Kaiser von Äthiopien, von der SSLM und der Anya-Nya mit der sudanesischen Regierung unter Präsident Numairi geschlossene Abkommen beendete den Ersten Bürgerkrieg  (17 Years War) zwischen der sudanesischen Regierung und südsudanesischen Befreiungsbewegungen.

Wichtigste Punkte des Abkommens waren: Weiterbestand eines, föderal zu organisierenden, Gesamtstaates Sudan, Selbstverwaltung der Südregion, eigene Sicherheitsorgane und  eigenständige wirtschaftlicher Entwicklung im Süden, Eingliederung der südsudanesischen Kämpfer in Armee, Polizei und regionaler Verwaltung, Rücksiedlung der Flüchtlinge. Nach Inkrafttreten des Abkommens kehrten etwa eine Million Flüchtlinge in ihre südsudanesische Heimat zurück. Als der größte Erfolg des Addis-Abeba-Abkommens galt neben der Beendigung des Bürgerkrieges der Aufbau einer autonomen Verwaltung. Die für die nachhaltige positive Wirkung des Abkommens erforderliche Beseitigung wirtschaftlicher Benachteiligung wurde allerdings versäumt. Mit dem erneuten Ausbruch des Krieges 1983 war das Addis-Abeba-Abkommen gescheitert.

 

Bentiu

Hauptstadt von Unity

Die etwa 10.000 Einwohner zählende, unweit der Grenze zu Sudan liegende Stadt Bentiu (Bantiu) ist das wirtschaftliche und administrative Zentrum des Bundesstaates Unity. Die größte Stadt von Unity erstreckt sich am Südufer des Nil-Nebenflusses Bahr al Ghazal. Bentiu und der gegenüber am Nordufer liegende County-Hauptort Rubkona sind durch eine Brücke miteinander verbunden.

Von überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung ist Bentiu vor allem wegen der Nähe zu einem der wichtigsten Ölfelder des Landes, dem „Hegfield Oilfield“. Auf dem angrenzenden, sich ebenfalls nördlich von Bentiu ausdehnenden „Unity Oil Field“ beginnt die etwa 1.600 km (900 mile) lange, nach Port Sudan führende „Greater Nile Oil Pipeline“. Der Wieder- und Ausbau der Infrastruktur der Ölstadt, die im zweiten Bürgerkrieg schwere Schäden erlitten hatte, macht gute Fortschritte. Zu den wichtigsten Einrichtungen der Stadt zählen der kleine „Bentiu Airport“ und das von der chinesischen Ölgesellschaft „China National Petroleum Corporation“ (CNPC) errichtete „Bentiu Civil Hospital“. Zu den anstehenden Infrastrukturmaßnahmen gehört der Aufbau einer Universität („Western Upper Nile University“).

Im Verlauf von Auseinandersetzungen wegen strittiger Grenzfragen im Hegfield-Sektor kam es im April 2012 zu den schwersten Kämpfen zwischen nord- und südsudanesischen Truppen seit Beginn der Unabhängigkeit. Dabei bombardierten sudanesische Flugzeuge am 22. April Bentiu und beschädigten die Flussbrücke. Bei dem Luftangriff kamen mehrere Zivilisten ums Leben.

 

Blindheit

Eines der großen Gesundheits-Probleme Südsudans

Südsudan gehört zu den Ländern mit der höchsten Rate an Blinden. Nach Schätzungen können ein bis drei Prozent der Südsudanesen nicht sehen (Deutschland: 0,2 %). Hauptursachen sind Grauer Star, die durch Würmer ausgelöste Flusskrankheit (Onchocerciasis) sowie die durch mangelhafte hygienische Verhältnisse begünstigte Augeninfektion Trachom.

In den meisten dieser Fälle könnte die Blindheit durch entsprechende ärztliche Hilfe verhindert werden. Die medizinische Versorgung der Betroffenen ist aber wie die Einrichtung von Blindenschulen und ähnlichen Betreuungseinrichtungen vollkommen unzureichend.

 

Bog Barons

Britische Kolonialbeamte in der Kondominiumszeit

Die wenigen während der anglo-ägyptischen Kondominiumszeit (1899 –1955) als Verwaltungsspitze in den Distrikten des Südens eingesetzten Kolonialbeamten wurden umgangssprachlich als „Bog Barons“ bezeichnet. Die Versetzung in den von vielen Briten als „Bog“ (englisch: „Sumpf“) sprachlich abgewerteten Süden galt bei der Mehrheit der im exklusiven “Sudan Political Service” zusammengefassten höheren Kolonialbeamtenschaft als Degradierung.

Im Gegensatz zu den meisten Nord-Beamten, die der sudanesisch-arabischen Kultur in der Regel durchaus aufgeschlossen gegenüberstanden und Wünschen der nordsudanesischen Eliten nach wirtschaftlicher und politischer Partizipation auch in Hinblick auf britische Interessen begrüßten, begegneten die „Bog Barons“ den Arabern häufig mit Misstrauen. Die Süd-Beamten forcierten in ihren Bezirken die offizielle Araber ausschließende “Closed Door”-Politik. Sie entwickelten von ihren abgelegenen Dienstellen aus einen nicht selten unbürokratischen, die Pflege beziehungsweise den Wiederaufbau traditioneller Strukturen fördernden Paternalismus. Die “Bog Barons” erwarben sich in der Regel Respekt und oft auch das Vertrauen der Einheimischen. Auf der einen Seite sorgten sie in dem geschundenen Land für eine Phase vergleichsweise stabilen Friedens („Pax Britannica“), auf der anderen Seite trugen sie aber auch dazu bei, dass der künstlich ausgegliederte Südsudan von den Entwicklungen des Rest-Kondominiums ausgespart wurde und als eine Art statischer “anthropologischer Zoo” an den wichtigen Weichenstellungen für die post-koloniale Zeit unbeteiligt blieb.

 

Boma National Park

Nationalpark im Osten des Landes

Der im östlichen Bundesstaat Jonglei liegende Boma National Park ist mit 22.800 qkm Fläche so groß wie der US-Bundesstaat Massachusetts. Der größte südsudanesische Nationalpark, dem sich im Westen das Überschwemmungs- und Sumpfgebiet des Sudd anschließt, wird zu etwa zwei Dritteln seiner Fläche von flachem Grasland bestimmt. Im Osten, nahe der äthiopischen Grenze, wechselt das Landschaftsbild zu Hügeln und Bergen mit lichten Waldzonen. Zum Nationalpark gehört auch der ökologisch überaus wichtige, etwa 100 qkm große Kenamuke-Sumpf mit seinen ausgedehnten Auwäldern. Das als Nationalpark ausgewiesene Boma-Gebiet ist Heimat der seltenen Antilopen-Unterart Weißohr-Kob (Kobus kob leucotis), die fast nur hier anzutreffen ist, sowie zahlreicher anderer Säugetierarten wie Elefanten, Geparden, Büffel, Mongalla-Gazellen, Zebras und Giraffen. Besonders eindrucksvoll sind die jährlichen Wanderungen riesiger Großsäuger-Herden zu Beginn und zum Ende der Trockenzeit. Schätzungsweise mehr als zwei Millionen Tiere durchziehen dann den Boma National Park auf Suche nach Nahrung und Wasser.

Die kriegerischen Konflikte der Vergangenheit haben auch den Boma National Park erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Zurzeit gibt es Erfolg versprechende Anstrengungen, mit der Etablierung moderner Safari-Konzepte eine solide touristische Infrastruktur aufzubauen. Staatliche Maßnahmen, wie der Ausbau eines Wildhüter-Corps, wirken dabei unterstützend.

 

Bor-Meuterei (1983)

Beginn des Zweiten Bürgerkrieges

Als Folge des den Ersten Bürgerkrieg (17 Years War) beendenden Addis-Abeba-Abkommens von 1972 waren im Rahmen der sudanesischen Militärorganisation Einheiten aufgestellt worden, in denen ehemalige Kämpfer der südsudanesischen Befreiungsorganisationen eingegliedert werden sollten. Eine dieser Einheiten war das etwa 500 Mann starke Sudanese Army Battalion 105, das 1983 auf Standorte in den heute zum Bundesstaat Jonglei gehörenden Städten Bor, Pibor und Pochalla verteilt war.

Einem im Januar 1983 erteilten Befehl, nach Norden zu verlegen, verweigerten die mehrheitlich zum Volk der Dinka gehörenden Soldaten unter Hinweis auf das Addis Ababa Agreement von 1972 nach dem sie – nach ihrer Interpretation – nur im Süden dienen sollten. Colonel John Garang, damals Ausbildungsleiter an einer Stabsschule bei Ondurman, wurde nach Bor geschickt, um zu verhandeln. Tatsächlich war Garang, der von 1976 bis 1977 selbst Kommandeur des Battalion 105 gewesen war, bereits in den Plan einiger Offiziere des Southern Command eingeweiht, nach dem das Battalion 105 in den bewaffneten Widerstand gegen das Regime in Khartum treten sollte. Der ursprüngliche Plan sah diese Revolte allerdings für das Jahr 1984 vor. Im Mai 1983, Garang war vor Ort, griff die sudanesische Armee Bor an, wurde aber von den 105ern unter Befehl von Lieutenant Colonel Kerubino Kuanyin abgewehrt. Das Bataillon setzte sich danach nach Äthiopien ab und bildete unter der Führung von John Garang einen Kern der neuen Befreiungsarmee SPLA.

Die Bor-Meuterei führte zu zahlreichen weiteren Meutereien von Süd-Truppen. Bereits im Juli 1983 konnte sich die SPLA durch den Zulauf von rebellierenden Armee-Einheiten auf 3000 Mann verstärken.

 

Bundesstaaten (States)

Gliedstaaten unterhalb der Bundesebene

Wie bereits die bis 2011 innerhalb des sudanesischen Gesamtstaates bestehende Autonome Region Südsudan gliedert sich auch die Republik Südsudan in 10 „States“ genannte Bundesstaaten. Dabei entfallen auf die traditionell Bahr el Ghazal genannte Nordwestregion die States Northern Bahr el Ghazal, Western Bahr el Ghazal, Lakes und Warap. Die Südregion Equatoria teilt sich in Western Equatoria, Central Equatoria mit der Hauptstadt Juba sowie Eastern Equatoria auf. Der Nordosten (Upper Nile) des Landes wird von den Bundesstaaten Unity, Jonglei und Upper Nile gebildet.

 

Faschoda-Krise (1898/99)

Britisch-französische Auseinandersetzung um Kolonialansprüche in Südsudan

Im Juli 1898 hatte eine französische Militärkolonne unter dem Befehl von Commandant Jean-Baptiste Marchand auf ihrem Marsch vom Kongo nach Osten in der Upper Nile-Provinz den türkisch-ägyptischen Posten von Faschoda (1904 in „Kodok“ umbenannt) besetzt und das Gebiet für Frankreich in Anspruch genommen. Eine Truppe unter dem Befehl des formalen ägyptischen Oberbefehlshabers, des Briten Herbert Kitchener, traf im September in Faschoda ein und forderte Marchand zum Abzug auf. Die nationale Emotionen In Großbritannien und Frankreich anheizende “Faschoda-Krise” endete schließlich mit einer Übereinkunft der beiden Haupt-Kolonialmächte in Afrika. Frankreich erklärte sich als an Ägypten und Sudan nicht mehr interessiert, dafür bekam es in Marokko und Westafrika freie Hand (“Fashoda Agreement”, 1899).

 

Hauptstadtfrage

Bleibt Juba oder wird Ramciel Südsudans Hauptstadt?

Bereits vor der Ausrufung der Unabhängigkeit am 9. Juli 2011 ist in dem damals noch als Autonome Region zur Republik Sudan gehörendem Land Südsudan darüber diskutiert worden, welcher Ort die Hauptstadt des neuen Staates werden solle. Es war klar, das die bevölkerunsgstärkste Stadt des Landes, das im Süden in Central Equatoria, in der Nähe zur ugandischen Grenze liegende Juba, das bereits Sitz der Regionalregierungs-Institutionen war, zumindest zunächst die Hauptstadt-Funktionen übernehmen werden würde.

Langfristig sollte aber bereits der 2005 beim Abschluss des den Zweiten Bürgerkrieg (1983-2005) beendenden Comprehensive Peace Agreement (CPA) vom damaligen SPLM/A-Führer John Garang favorisierte Plan umgesetzt werden, den Ort Ramciel zur neuen Metropole aufzubauen.

Ramciel (Ramshiel) liegt etwa 200 km nördlich von Juba am Westufer des Weißen Nils grenznah zu den States Jonglei, Central Equatoria und Eastern Equatoria in einem von Chiech-Dinka bewohnten Gebiet des Bundesstaaates Lakes. In der Sprache der Einheimischen bedeutet „Ramciel“ sinngemäß „ Mitte, wo man sich trifft“.

Nach Vorbild anderer Hauptstadt-Neugründungen wie Brasilia oder Abuja soll die neue Landesmetropole Hauptstadt durch ihre Lage im geographischen Zentrum des Landes einen gleichmäßigeren Zugang für die Bürger aller Landesteile gewährleisten und bereits dadurch zu einem nationalen Symbol werden. Zudem soll anders als im übervölkerten Juba möglich, durch planmäßige Anlage von repräsentativen Parlaments- und Regierungsgebäuden mit der dazugehörigen Infrastruktur ein Sinnbild für das Ideal des anzustrebenden südsudanesischen Gemeinwesens geschaffen werden.

Ob der Standort Ramciel allerdings tatsächlich die für die Realisierung dieser ambitionierten Pläne notwendigen Grundvoraussetzungen bieten kann, ist umstritten. So wiesen Kritiker darauf hin, dass die im Süden des Sumpfgebiets Sudd gelegene Region in einer Überschwemmungszone liegt und daher für größere Infrastrukturmaßnahmen ungeeignet sein könnte. Aktuell ist das Projekt „Hauptstadt Ramciel“, für deren Umsetzung etwa 10 Milliarden US-Dollar als Kosten genannt worden sind, allerdings lediglich noch in der Vor-Planungsphase.

 

Ilemi Triangle

Das Ilemi-Dreieck (auch Elemi-Dreieck) ist ein umstrittenes, von Kenia verwaltetes Gebiet, auf das auch Äthiopien und Südsudan Anspruch erheben

Die Fläche des Ilemi-Gebiets wird zwischen 10.320 km² und 14.000 km² (etwa so groß wie Gambia oder oder Schleswig-Holstein) angegeben. Das Gebiet wird zur Zeit von Kenia vollständig kontrolliert. Die unklare Situation über die Staatszugehörigkeit ergab sich aus unpräzisen Formulierungen aus der Kolonialzeit stammender Verträge, die insbesondere auf die Wanderhirtenschaft von hier ansässigen Turkana-Gruppen Rücksicht zu nehmen versuchten. Eine Lösung über die eindeutige Grenzziehung wurde bisher durch die instabilen Verhältnisse in der Region während der Kriege sowie wegen ökonomischer Fragen verhindert. Ilemi gilt als potenzielles Abbaugebiet für Bodenschätze. Sein Hügelland eignet sich hervorragend als Grasland für Rinder, die ebenfalls vorhandenen, trockenen offenen Flächen sind ausreichend für Kamel- und Ziegenwirtschaft.

Neben nomadischen Turkana und Nyangtom (Inyangtom) leben in dem dünn besiedelten Gebiet Didinga und Toposa sowie, vorwiegend auf äthiopischer Seite, Dassanech. Zwischen diesen Hirten-Gruppen kam es in der Vergangenheit häufig zu Auseinandersetzungen. Viehdiebstähle und Überfälle waren üblich. Aber auch regelmäßige Übereinkünfte der fünf betroffenen Ethnien über Fragen der Weide- und Wassernutzung sowie der Friedenssicherung. Nach Ende der Kolonialzeit und mit der Aufrüstung mit moderneren Waffen verloren diese gewachsenen Strukturen der Ordnung wesentlich an Bedeutung.

 

Indirect Rule

Britisches Verwaltungs-Prinzip in der Kondominiumszeit

Wesentliches Element der ab 1899 im Rahmen des anglo-ägyptischen Kondominiums in Südsudan eingesetzten Kolonialverwaltung war das “Indirect Rule”-System. Unterhalb der Provinz- und Distrikts-Ebene bezogen die Briten in ihrer Sudan-Administration lokale Autoritäten ein, um Verwaltungskosten zu sparen und Reibungen mit den Einheimischen zu vermeiden. Im Süden waren das insbesondere angesehene Funktionsträger der traditionellen Gesellschaften. Obwohl diese Honorabeln bis dahin durchaus nicht immer über administrative Befugnisse verfügt hatten, wurden sie nun von den Briten mit Exekutivrechten und -pflichten ausgestattet. Diese Funktionärsauswahl der Kolonialherren führte bei den egalitären Gesellschaften des Südens, wie bei denen der Dinka und Nuer, zu einem allmählichen Wandel der Rolle ihrer wichtigsten Gruppenangehörigen. Diese – zum Beispiel die Mitglieder herausragender Clans – waren bisher aufgrund ihrer persönlichen Autorität, ihres Könnens, ihres Mutes und ihres Herkommens lediglich für kurze Zeit als Anführer in Sondersituationen akzeptiert oder auf Dauer als Schlichter und Moderatoren bei Streitigkeiten respektive als religiöse Vermittler anerkannt worden. Unter den Briten wurden sie nun auf Dauer zu Exekutivorganen mit obrigkeitlicher Entscheidungsbefugnis.

Auch bei traditionell eher hierarchisch aufgebauten Gesellschaften, wie denen der Schilluk oder Azande, bekamen die traditionellen Führer zusätzliche, von den Kolonialherren delegierte Funktionen. In den meisten Fällen funktionierte das “Indirect Rule“ oder „Native Administration” genannte System indirekter Herrschaft, da es die Einheimischen in der lokalen Verwaltungspraxis mit vertrauten Personen zu tun hatten, die sich in der Regel zudem eher dem Wohl ihrer Gruppe als dem der übergeordneten Instanz verpflichtet fühlten. Gleichwohl aber vermieden die Angehörigen der neu-alten Elite zur Wahrung ihres neuen Status in den meisten Fällen Auseinandersetzungen mit der Kondominiumsverwaltung und bereinigten Konflikte im Sinne einer funktionierenden Verwaltung bereits im Ansatz.

 

Jallaba

Abwertende Bezeichnung für Nordsudanesen

Die arabischen beziehungsweise arabisierten Elfenbein- und Sklaven-Händler, die ab Anfang des 19. Jahrhunderts von Nordsudan aus vor allem in die Regionen Bahr al-Ghazal und Equatoria vordrangen, wurden „Jallaba“ (sinngemäß: „Reisehändler“) genannt. Ihre in der Regel brutalen Methoden sorgten in der südsudanesischen Bevölkerung für eine negative Besetzung des Begriffs „Jallaba“, der bisweilen als Bezeichnung für die Nordsudanesen in ihrer Gesamtheit angewendet wurde und wird.

 

Juba

 Hauptstadt und einwohnerstärkste Stadt Südsudans

Die südsudanesische Landeshauptstadt (s. auch Hauptstadtfrage) und Hauptstadt des Bundesstaates Central Equatoria Juba erstreckt sich, ungefähr 140 km nördlich der ugandischen Grenze am Westufer des Weißen Nils, der in diesem Abschnitt „Bahr al-Dschabal“ genannt wird. Mit mittlerweile geschätzten 500.000 Einwohnern ist das extrem rasch wachsende Juba, das 2005 etwa 250.00 Einwohner zählte, die einwohnerstärkste Stadt in Südsudan.

Die Stadt geht auf einen Anfang der 1920er Jahre von griechischen Kaufleuten im Siedlungsgebiet des Bari-Volkes gegründeten Handelsposten zurück. An die griechischen Händler, die insbesondere mit den nahe gelegenen Garnisonen der britischen Armee Geschäfte machten, erinnert heute unter vor allem das heute „Hai Jalaba“ genannte „Griechische Viertel“ im Zentrum Jubas mit beeindruckenden Gebäuden aus den 20er und 30er Jahren. Zu den Sehenswürdigkeiten Jubas zählt auch das 2005 errichtete Mausoleum für den am 30. Juli 2005 bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben gekommenen SPLM/A-Führer John Garang.

Zu den wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen der Stadt gehört neben dem International Airport Juba und der University of Juba die Anfang der 1980er Jahre fertig gestellte Juba Bridge. Die 250 m lange Brücke ist die einzige feste Nil-Querung in Südsudan. Die mittlerweile zum Teil baufällige Brücke soll mit Hilfe japanischer Investoren bis 2018 durch einen Neubau („Freedom Bridge“) ersetzt werden.

 

Juba Arabic (auch: Arabi Juba, Arabic Juba, Arabia Juba)

Verkehrssprache

Juba Arabic ist eine Pidgin-Sprache, also eine auf reduzierte Elemente einer anderen Sprache oder mehrerer anderer Sprachen basierende Sprachform, die dazu dient, als „Lingua franca“ die mündliche Kommunikation verschiedensprachiger Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Juba Arabic entstand im 19. Jahrhundert in der Zeit der osmanisch-ägyptischen Herrschaft („Turkiyyah“) als Folge der Stationierung arabischsprachiger Militärs in der Equatoria-Region. Dort in der Umgebung der heutigen südsudanesischen Hauptstadt Juba vermischten sich Elemente der einheimischen Bari-Sprache mit vereinfachtem Arabisch zum Juba Arabic. Die einstmals überragende Stellung von Juba Arabic für die sprachliche Kommunikation in der Region hat seit Anfang des 21. Jahrhunderts erheblich abgenommen. Juba Arabic wird in der multilingualen Republik Südsudan zunehmend von Englisch, das 2011 offiziell als Amtssprache eingeführt worden ist, abgelöst.

 

Kafia Kingi

 Zwischen Südsudan und Sudan umstrittenes Gebiet im Grenzbereich von Western al-Ghazal und Süd-Darfur

Das in der Regel als „Kafia Kingi Enclave“ benannte, häufig auch als “Hofrat al-Nahas“ (arabisch: „Kupfergrube“) bezeichnete Gebiet Kafia Kingi liegt im nordwestlichen Grenzbereich von Südsudan zur Republik Sudan. Kafia Kingi hat mit einer Fläche von 12.500 qkm etwa die Größe von Schleswig-Holstein. Mit schätzungsweise maximal 20.000 Einwohnern ist das Gebiet, in dem reiche Bodenschätze vermutet werden, ausgesprochen dünn besiedelt. Ursachen für diese geringe Einwohnerdichte sind  u. a. Kämpfe im Grenzgebiet sowie Seuchen gewesen. Der Großteil der Bewohner gilt den, häufig undeutlich definierten, ethnischen Gruppen der Fertit, Fellata und Awlad Arabs zugehörig. Die Siedlungen liegen zumeist an den Ufern der Flüsse Adda und Umbelecha.

Kafia Kingi ist aktuell Teil des Administrationsbereichs der sudanesischen Provinz Süd-Darfur, obwohl sich die Zugehörigkeit des Gebiets gemäß der Bestimmungen des 2005 den Zweiten Bürgerkrieges beendenden Comprehensive Peace Agreement (CPA) nach dem Grenzverlauf-Status von 1956 richten sollte. Kafia Kingi war bei der Ausrufung der sudanesischen Unabhängigkeit 1956 Teil der Südprovinz Bahr al-Ghazal gewesen, wurde aber 1960 der Nordprovinz Darfur (1974 geteilt in Nord- und Süd-Darfur) zugeschlagen.

 

Lado-Enklave

Belgische Kolonie in Equatoria (1897 – 1910)

Im Zusammenhang mit dem, nicht realisierten, britischen Großprojekt der „Cape to Cairo Railway“ trat der belgische König Leopold II., als Privatmann Eigentümer des „Kongo-Freistaats“, 1894 einen Streifen Land seiner Kongo-Kolonie an die Briten ab. Im Gegenzug erhielt er auf Lebenszeit von Großbritannien beanspruchtes, aber nicht beherrschtes, Land am Westufer des Weißen Nils (Bahr al Jebel) im heutigen Grenzgebiet von Uganda und Central Equatoria als Pachtgebiet zugesprochen. Dieses knapp 40.000 qkm (15.000 sq mi) große Gebiet konnte erst 1897 nach der Vernichtung der hier stehenden Madhisten-Truppen durch Kongo-Freistaats-Verbände in Besitz genommen werden.

Vor allem wegen des Zugangs zum Nil am Fährort Rejaf war die Lado-Enklave für den Kongo-Freistaat, der 1908 von Leopold II. als „Belgisch-Kongo“ an den belgischen Staat verkauft worden war, von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die einheimische Bevölkerung von Lado wurde von der Freistaats-Verwaltung mit brutalen Mitteln zur Zwangsarbeit gezwungen. 1910, nach dem Tod Leopolds II., fiel Lado vertragsgemäß an das anglo-ägyptische Sudan-Kondominium. Den südlichen Teil von Lado gliederten die Briten 1912 ihrem ugandischen Protektorat an.

 

Lamu Port and Lamu –Southern Sudan –Ethiopia Transport Corridor (LAPPSET ) (auch: Lamu Corridor)

Grenzübergreifendes Infrastrukturprojekt

Im März 2012 ist durch den in einen feierlichen Festakt der drei Staatsmänner Salva Kiir Mayardit (südsudanesischer Präsident), Mwai Kibaki (kenianischer Präsident) und Zegesse Meles Zenawi (äthiopischer Ministerpräsident) erfolgten symbolischen Baubeginn an Hafenanlagen im kenianischen Küstenort Lamu eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte Afrikas in eine weitere Phase getreten: Dem „Lamu Port and Lamu –Southern Sudan –Ethiopia Transport Corridor“, abgekürzt „LAPPSET“ oder auch „Lamu Corridor“ genannt.

Aufbauend auf früheren, nicht realisierten, Projekten, die südsudanesischen und äthiopischen Binnenländer effektiver an das internationale Transportnetz anzuschließen und zugleich den veralteten und überlasteten kenianischen Haupthafen Mombasa zu entlasten, wurde bereits 2007 mit der Bauarbeiten an einigen kenianischen Autobahnstrecken begonnen. Diese Autobahnen gehören zu einem projektierten System von Verkehrswegen, Raffinerien, Tourismuszentren, Flughäfen, Erdöltransport- und Telekommunikationsleitungen, das nach heutigen Schätzungen ein Finanzierungsvolumen von mehr als 24 Milliarden USD erforderlich machen könnte.

Die Bauarbeiten am Lamu Corridor sollen 2020 abgeschlossen sein. Für Südsudan von besonderem Gewicht ist die geplante, über 1700 km lange LAPPSET-Eisenbahnstrecke, auf der Reisende und Frachtgut von Lamu über den grenznahen ostkenianischen Ort Lokichokio Juba erreichen sollen. Der südsudanesische Teilabschnitt der Strecke wird eine Länge etwa 350 km haben. Das Projekt der Erdölpipeline Juba-Lamu ist wahrscheinlich von noch größerer Bedeutung für Südsudan. Die bisherige, politisch brisante Abhängigkeit Südsudans, das im Land geförderte Erdöl über sudanesische Leitungen zur Verschiffung nach Port Sudan leiten zu müssen, hat wesentlich zur Forcierung des LAPPSET-Plans durch die südsudanesische Regierung beigetragen. Als Vision wird von Planern diskutiert, LAPPSET durch eine Fortführung über Bangui (Zentralafrikanische Republik) und Douala (Kamerun) mit der Atlantikküste zu verbinden.

 

Ramciel s. Hauptstadtfrage

 

Sudd

Sumpf- und Überschwemmungsgebiet von der Größe Brandenburgs

Der Sudd (vom Arabischen „Sadd“ =„Barriere“) ist ein riesiges Nil-Sumpf- und Überschwemmungsgebiet, das sich im Zentrum von Südsudan erstreckt. Es wird vom in diesem Bereich sich in unzählige Nebenflüsse und Sümpfe teilenden Nil-Abschnitt Bahr al-Dschabal gebildet. Neben dem etwa 20.000 qkm umfassenden Sumpfgebiet bedeckt der Sudd abhängig von Wassermenge und Abflussverhalten zusätzlich ein bis zu 10.000 qkm großes Überschwemmungsgebiet.

 

Weißer Nil

Nil-Abschnitt in Südsudan

Die Bezeichnung „Weißer Nil“ hat verwirrenderweise zwei Bedeutungen. „Weißer Nil“ wird nämlich fallweise sowohl zur Benennung des linken Nil-Quellflusses in seiner Gesamtheit als auch nur für den Nil-Abschnitt zwischen No-See und Khartum verwendet.

Bei Khartum vereinigt sich der Weiße Nil mit dem in Äthiopien entspringenden Blauen Nil. Nach überwiegender, wenn auch nicht unstrittiger Meinung ist der Weiße Nil der eigentliche Hauptfluss des Nils, der Blaue Nil lediglich sein bedeutendster Nebenfluss.

Nach der weitesten Auslegung werden die ersten Abschnitte des Weißen Nils von den beiden in Ruanda beziehungsweise in Burundi entspringenden Quellflüssen des ruandisches, tansanisches und ugandisches Gebiet durchfließenden Kagera-Nils gebildet. Der etwa 900 km lange Kagera mündet in den Victoria-See, um dann am ugandischen Nordufer des Sees wieder als Fluss erkennbar zu sein. Nach dem Abfluss aus dem Victoria-See hat der Weiße Nil die abschnittsweise wechselnden Bezeichnungen „Victoria-Nil“, „Kyoga-Nil“ und „Albert-Nil“ bis er bei Nimule (Eastern Equatoria) die ugandisch-südsudanesische Grenze passiert. Ab hier wird der Weiße Nil „Bahr al Jabal/ Bahr el-Jebel / Bahr al-Dschabal“ („Berg-Nil“) genannt. Als Bahr al-Dschabal fließt er an den südsudanesischen Städten Juba und Bor vorbei. Im zum Sumpfgebiet des Sudd gehörenden No-See vereinigt sich der Bahr al-Dschabal mit dem aus Westen zuströmenden Bahr al-Ghazal und wird zum ostwärts fließenden Bahr al-Abiad („Weißer Nil“, im engeren Sinne), der an Malakal vorbei schließlich Südsudan in Richtung Khartum verlässt.

 

Wau

Zweitgrößte südsudanesische Stadt

Mit geschätzt (2014) 150.000 Einwohnern gilt Wau (Waw, Wow) als die nach Juba bevölkerungsreichste Stadt Südsudans. Wau ist die Hauptstadt des im Nordwesten Südsudans liegnden Bundesstaates Western Bahr el- Ghazal. Die Stadt erstreckt sich am Westufer des in den Bahr al-Ghazal mündenden Flusses Jur.

Die Ursprünge der in einem  von lichten Akazien-Wäldern bestimmten Feuchtsavannen-Gebiet gelegenen Stadt gehen auf ein Anfang des 19. Jahrhunderts angelegtes befestigtes Sklavenhändler-Lager (Zariba) zurück. Zeitweilig Teil der französischen Einflusssphäre in Südsudan (s. Faschoda-Krise) war Wau seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Standort anglo-ägyptischer und später sudanesischer Verwaltungs- und Militäreinrichtungen. Während des Zweiten Bürgerkriegs (1983-2005) war die vor allem von Dinka sowie von Luo und Fertit bewohnte Stadt Schauplatz heftiger, zahlreiche Verluste in der Zivilbevölkerung fordernder Kämpfe.