Botschaft an die Greater Bor Youth Community Association von Mabior Garang de Mabior* (3.5.2014)

Ich habe eine Vielzahl von Nachrichten aus den Reihen der Jugend von Greater Bor erhalten, in denen ich gebeten werde, Commander Dr. Riek Machar  zu sagen, er solle unser Volk nicht angreifen. Ich habe mich entschlossen, meine Antwort auf eine dieser Nachrichten hier zu veröffentlichen. Den Namen des Genossen, auf dessen Mail sich diese Antwort bezieht, werde ich für mich behalten, um die Privatsphäre des Genossen zu wahren:

„Hi, (…..),

ich habe Deine Stellungnahme gelesen und sie hat mit wirklich erschüttert, sie ist sehr aggressiv-passiv ausgerichtet. Entgegen Deiner vermuteten Annahme, kenne ich Wang´lei sehr gut. Wir haben dort Entwicklungsprojekte verfolgt, bis ich gezwungen worden bin, ins Exil zu gehen. Ich habe keine „Kontakte zu denen von Riek Machar“, wir haben uns nicht gegenseitig aufgefordert „Hey, lasst uns in den Busch gehen und überlegen, welche Dörfer wir angreifen und welche Dörfer wir verschonen werden.“ Ich verstehe, dass es schwer für unser Volk in Greater Bor ist, zu verstehen, dass, wenn ein Teil unseres Landes leidet, das Land  in seiner Gesamtheit leidet.

Indes, ich möchte Deine Aufmerksamkeit auf den Ursprung des Konflikts lenken. Es war der vom Präsidenten mit der angeblichen Zielrichtung, die Dinka zu schützen, geförderte an Nuer-Frauen und -Kindern begangene Massenmord. Damit begann die Spirale der Gewalt mit Rache und Gegengewalt, die unser Land an den Rand der Auflösung gebracht hat, .

Wenn sich Dr. Riek nicht bemüht hätte, auf politischen Weg die durch das Juba-Massaker aufgebrachte und radikalisierte Jugend zu überzeugen, würden wir diese Unterhaltung jetzt  möglicherweise überhaupt nicht mehr führen können. Der aktuelle Konflikt ist nicht von Riek Machar verursacht, sondern  ging von Juba aus und wird von dort aus auch weiterhin angeheizt.

Ich meine vielmehr, wenn Du Kontakt hast zu „zu denjenigen von“ Deng Dau und Thon Leek, dann solltest Du mit ihnen reden. Sie waren es nämlich, die den Commissioners und Chiefs der Twic und Dukén gesagt haben: „ kang’ke Nuer nom”, also „ Stoppt das Vorrücken der Nuer!“, wohlwissend, dass sie schlecht bewaffnet und in der Unterzahl waren. Das wurde alles im Namen des so genannten „Dinka Government“ getan und bedeutete „shit“ für das Volk  von Greater Bor (entschuldige meine Ausdrucksweise).

Aus Respekt vor Deinen Gefühlen von Loyalität, gehe ich davon aus, dass Du der Überzeugung bist, der von der verteidigte Standpunkt sei rechtens. Ich muss Dir aber sagen, dass Du die Sache nicht mit der notwendigen Klarheit über die Zielvorgabe betrachtest. Hättest Du die Überzeugung von der Zielvorstellung eines  grundsätzlichen Wandels wirklich verinnerlicht, so würdest Du nicht schwanken. Ich denke, wenn es Dir wichtig ist, eine Lösung zu finden, die den Wechsel Deiner Loyalität bedeuten würde, so ist das Dein gutes Recht. Ich habe, um mit den Worten von  Mwalimu Nyerere zu sprechen, die „Menschlichkeit, diejenigen zu akzeptieren, die eine andere Meinung haben als ich“ und ich weiß, dass die „Geschichte mich freisprechen wird“, wie es der junge Fidel Castro behauptet hat.

Ich denke, wenn Du aufrichtig wegen der Lage unseres Volkes besorgt bist, so lass uns der Sache gemeinsam auf den Grund gehen und versuchen, für die Aufgabe der Wiederversöhnung an der Basis zu arbeiten anstatt auf die Versöhnung von Führungspersönlichkeiten zu warten.

Ich bin stolz auf alle Südsudanesen, die sich einen klaren Standpunkt zu eigen gemacht haben und sich für einen grundsätzlichen Wandel in unserem Land einsetzen. Ich wäre noch stolzer auf Euch, meine Landsleute, wenn Ihr Euch von Eurem „ Dinka Exceprionalism“ („na cie wok Buor mentality“) lösen könntet. Ihr sollte statt dieser Wagenburg-Vorstellung anzuhängen, auf mich als einen Intellektuellen aus Eurer Mitte stolz sein, weil ich im Gegensatz zu den meisten anderen Jieng-Intellektuellen nicht zu den Massakern an unseren Nuer-Brüdern in Juba geschwiegen habe.

Folglich, möchte ich Dich daran erinnern, mit Deng Dau oder Thon Leek zu sprechen, die versucht haben, unsere Jugend in den Dörfern und bei den Viehherden

als Kanonenfutter zu missbrauchen. Sie führen Zivilisten aus unseren Dörfern  zum Angriff gegen Kräfte, die sie nicht bedrohen, schlecht bewaffnet und in der Unterzahl sind. Ich könnte noch mehr sagen, doch ich möchte es hier zunächst einmal dabei belassen.“

Cpt. Mabior Garang

Addis Abeba, Äthiopien, 2014

 

Geposted am 3.5.2014 http://paanluelwel.com/2014/05/03/message-to-greater-bor-youth-community-association ; ins Deutsche übertragen)

 

* Mabior Garang de Mabior ist der älteste Sohn von John Garang